Zweifach- oder Dreifachverglasung — wann lohnt sich der Aufpreis
Eine Zweifachverglasung — zwei Scheiben mit einem Zwischenraum — war jahrelang Standard. Heute erfüllt sie in den meisten Fällen die polnischen Bauvorschriften nicht mehr, die für das gesamte Fenster einen Uw-Wert von höchstens 0,9 W/m²K verlangen.
Die Dreifachverglasung — drei Scheiben und zwei Zwischenräume — ist heute praktischer Marktstandard, gerade weil sie diese Anforderung erfüllbar macht. Der Aufpreis für die dritte Scheibe ist also keine Wahl zwischen gut und besser, sondern die Voraussetzung dafür, dass das Fenster im Neubau überhaupt vorschriftsgemäß eingebaut werden darf.
Beim Fenstertausch in älteren Häusern, wo diese Vorschriften nicht unmittelbar gelten, ist die Entscheidung flexibler. Aber auch dort lohnt es sich, an Dreifachverglasung zu denken, um die Rechnungen für Jahrzehnte zu optimieren.
Zwei Zahlen im Angebot, nach denen niemand fragt
Nach Uw fragt jeder. Nach LT und g fast niemand — dabei entscheiden sie, ob ein Wohnzimmer mit großem Südfenster im Sommer ein angenehmer Ort ist.
LT ist die Lichttransmission: wie viel Prozent des sichtbaren Lichts durch die Verglasung gehen. Eine normale Dreifachverglasung hat etwa 70–75 Prozent. Darunter wird es merklich dunkler, besonders auf der Nordseite.
g ist der Gesamtenergiedurchlassgrad, also wie viel Sonnenenergie hereinkommt. Eine Standard-Dreifachverglasung hat etwa 0,5 (auch als 53 Prozent geschrieben). Im Winter ist das kostenlose Wärme. Im Sommer macht dasselbe Fenster aus dem Zimmer ein Gewächshaus.
Und hier greifen die Vorschriften: Im Sommer darf der g-Wert des Fensters, zusammen mit der Verschattung gerechnet, 0,35 nicht überschreiten. Ausnahmen sind Nordfenster und Fenster mit außenliegendem Sonnenschutz. Also entweder Sonnenschutzglas oder Rollladen bzw. Raffstore außen. Ein Vorhang innen bringt deutlich weniger.
Beim Vergleich von Angeboten lohnt der Blick, ob sich LT und g auf die Scheibe allein oder auf das gesamte Fenster beziehen. Der Fensterwert ist immer niedriger, weil der Rahmen weder Licht noch Sonne durchlässt.
Stopsol — das Glas, das spiegelt
Stopsol ist ein Glas von AGC mit pyrolytisch aufgebrachter reflektierender Beschichtung: Eine Schicht aus Metalloxiden wird noch auf der Floatlinie auf die heiße Scheibe eingebrannt und verschmilzt mit dem Glas. Deshalb lässt es sich vorspannen, laminieren, biegen. Weiche Beschichtungen erlauben diese Freiheit nicht.
Der Effekt an der Fassade ist ein Spiegel. Tagsüber sieht man von außen nicht hinein, weil es draußen heller ist. Nachts, bei eingeschaltetem Licht, kehrt sich das um, und der Raum ist vom Garten aus sichtbar.
AGC-Werte für eine Zweifachverglasung 6-16-4 mit Beschichtung auf Position 2 und Low-E-Glas iplus: Stopsol Classic Grey hat LT 16 Prozent, g 17 Prozent, Lichtreflexion 10 Prozent. Classic Bronze: LT 19, g 19. Zum Vergleich die helle Variante Supersilver Clear: LT 54 und g 42 Prozent.
Classic Grey lässt also etwa ein Sechstel des Lichts durch, das normales Glas durchlässt. Das ist viel dunkler, als man sich nach Fotos vorstellt. Bei uns stehen Classic Grey und Classic Bronze zur Wahl; die Werte für die konkrete Dreifachverglasung nennen wir im Angebot, weil die AGC-Katalogzahlen eine andere Konfiguration betreffen.
Antisol ist keine Beschichtung
In Angeboten steht oft „Beschichtung Antisol". Das ist falsch. Antisol ist in der Masse durchgefärbtes Glas: Die Metalloxide werden noch in der Glashütte der Schmelze zugesetzt. Die ganze Scheibendicke ist farbig, an der Oberfläche liegt keine Schicht.
Das ändert die Wirkungsweise. Stopsol reflektiert die Strahlung, Antisol absorbiert sie. Die Scheibe erwärmt sich und gibt einen Teil der Wärme nach innen ab, einen Teil nach außen. Die Reflexion ist gering, von außen gibt es also keinen Spiegeleffekt — nur eine dunkle Scheibe.
Die Absorption hat noch eine Folge: Die erwärmte Scheibenmitte verhält sich anders als der beschattete Rand im Rahmen. Bei großen Formaten und Teilverschattung verlangt der Glashersteller manchmal gerade wegen der thermischen Spannungen ein Vorspannen.
Die Farbe hängt von der Dicke ab: Dieselbe Masse ist in 4 mm heller als in 6 mm. Deshalb ist die Katalog-Lichttransmission von durchgefärbtem Glas ein weiter Bereich, etwa 32 bis 72 Prozent. Der Name Antisol ist ein Handelsname — dasselbe Glas heißt bei anderen Herstellern Parsol, Optifloat Tint oder Planibel Coloured. Bei uns gibt es die Varianten Braun und Graphit.
Cool-Lite — Sonnenschutz, ohne Licht zu verlieren
Stopsol und Antisol haben ein Problem: Um g auf 0,2 zu senken, muss man den größten Teil des Lichts opfern. Selektive Beschichtungen wie Cool-Lite von Saint-Gobain machen es anders. Sie lassen sichtbares Licht durch und reflektieren Infrarot. Das Maß ist die Selektivität, also LT geteilt durch g. Normales Glas liegt bei etwa 1,4, Cool-Lite SKN erreicht 2, Xtreme übersteigt 2,3.
Saint-Gobain-Katalogwerte für eine Zweifachverglasung: SKN 176 II — LT 68 Prozent, g 0,34; SKN 154 II — LT 50 Prozent, g 0,26. Zum Vergleich ergibt Stopsol Classic Grey bei g 0,17 nur LT 16 Prozent. SKN 154 lässt also dreimal so viel Licht herein bei einem um weniger als ein Zehntel höheren g.
Xtreme ist die höhere Klasse: dreifaches Silber statt doppeltem. Xtreme 70/33 II — LT 70 Prozent, g 0,30, Selektivität 2,33. Es lässt so viel Licht herein wie eine normale Dreifachverglasung und halb so viel Sonne. Der Name sagt, was zu erwarten ist: Die erste Zahl ist LT, die zweite g in Prozent.
Wie das in eine Bestellung übersetzt wird
Es gibt keine einzelne Zahl für „Sonnenschutzglas". Es gibt die Zahl für dieses konkrete Glas, in dieser Verglasung, in diesem Fenster. Deshalb nennen wir im Angebot LT und g für genau die Konfiguration, die Sie im Konfigurator wählen — und sagen Ihnen, wann normales Glas mit Außenverschattung besser abschneidet.